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Warnsignale, bevor du dich auf einen Open Call bewirbst
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Du hast gesucht und einen Open Call gefunden, der gut zu dir zu passen scheint. Erst einmal gut. Bevor du Zeit und Geld in die Bewerbung steckst, lohnt sich allerdings ein zweiter Blick.
Die folgenden Warnsignale bedeuten nicht automatisch, dass eine Ausschreibung unseriös ist. Sie sind Hinweise darauf, dass etwas nicht transparent ist – und dass du genauer hinsehen solltest, bevor du dich bewirbst.
Es fallen Gebühren an – viele. Aber wofür?
Zur Klarstellung: Nicht jede Ausschreibung mit Gebühren ist unseriös oder Betrug. Es gibt allerdings Ausschreibungen, bei denen die Einnahmen aus den Bewerbungsgebühren im Vordergrund stehen und die Teilnehmenden am Ende gar nichts davon haben – oder zumindest nichts von Wert.
Gleichzeitig erheben viele angesehene Institutionen Gebühren. Bewerbungs- und Teilnahmegebühren sind für Kreative zweifellos eine Hürde, aber allein dadurch wird eine Ausschreibung noch nicht zum Warnsignal. Woran erkennst du also den Unterschied?
Nehmen wir an, eine Organisation verlangt Bewerbungsgebühren, erklärt aber nirgends, warum die Gebühr nötig ist oder wofür das Geld tatsächlich verwendet wird. Dann lohnt es sich, zweimal nachzudenken, bevor du abschickst und überweist. Betrug muss das nicht sein – transparent ist es sicher nicht.
Was also tun?
Am besten findest du mit etwas Recherche und gesundem Menschenverstand heraus, ob eine Ausschreibung seriös ist. Sieh nach, ob die Person oder die Organisation erklärt, wofür die Bewerbungsgebühren verwendet werden. Wenn nicht und du dich damit unsicher oder unwohl fühlst: frag einfach nach.
Recherchiere außerdem, wer sich früher beworben hat und ausgezeichnet oder ausgestellt wurde. Sieh dir deren Websites an, frag herum, wenn das möglich ist. Versuch herauszufinden, welche Erfahrungen andere gemacht haben, die sich beworben haben oder die Organisation kennen.
Als Faustregel gilt: Wenn die Gebühren zu hoch wirken und am Ende schwerer wiegen als der mögliche Nutzen der Ausschreibung, lass es.
Wesentliche Angaben fehlen
Du stößt auf eine Ausschreibung, die interessant klingt, aber es scheint keine genaueren Informationen zu geben. Du findest keine Website, und nichts Konkretes dazu, wo die Organisation sitzt, wer dahintersteht oder was sie eigentlich macht.
Sei vorsichtig, bevor du Zeit und Mittel in eine Bewerbung steckst, wenn sich die Identität oder die Seriosität derer, die eine Ausschreibung für einen Wettbewerb, eine Ausstellung oder Ähnliches zu betreiben behaupten, nicht überprüfen lässt.
Wie gehst du am besten vor?
Bevor du die Ausschreibung verwirfst: Versuch, jemanden bei der Organisation zu erreichen. Wer eine seriöse Ausschreibung betreibt, reagiert und beantwortet deine Fragen. Wenn du die Gelegenheit hast, mit jemandem zu sprechen, achte darauf, wie geantwortet wird. Und wenn du danach immer noch unsicher bist, das Gefühl hast, dass etwas nicht stimmt, oder ein ungutes Gefühl zurückbleibt: vertrau deinem Bauchgefühl.
Nach Betrug sieht es dagegen deutlich aus, wenn der Text einer Ausschreibung verdächtig vertraut klingt – wenn er also Wort für Wort mit einer anderen Ausschreibung übereinstimmt, die du gelesen hast und die damit überhaupt nichts zu tun hat. Betrüger:innen verwenden dieselben Formulierungen immer wieder, bleiben dabei meist vage und entwickeln kein eigenes Profil.
Unklar, wer bisher teilgenommen hat
Noch eine Anmerkung zu fehlenden Informationen. Natürlich organisieren auch neue Institutionen oder einzelne Kreative, die Mitstreiter:innen suchen, Open Calls. In dem Fall hat vermutlich schlicht noch niemand teilgenommen.
Anders liegt der Fall, wenn eine Organisation ihren „7. jährlichen Kunstpreis“ ausschreibt. Dann sollte sich zu diesen sechs vorherigen Durchgängen durchaus etwas finden lassen.
Hast du auf der Website nach früheren Preisträger:innen oder vergangenen Ausstellungen gesucht und nichts als Leere gefunden? Auch hier gilt: Es fällt schwer, einer Sache zu vertrauen, zu der es so gut wie keine Informationen gibt.
Warum ist das wichtig?
Für eine Bewerbung auf eine Ausstellung oder einen Wettbewerb sind Angaben zu früheren Teilnehmenden wertvoll. Nicht zuletzt, weil sie dir zeigen, an welcher Art von Arbeiten die Organisation interessiert ist und für welche Laufbahnstufe oder welches Erfahrungsniveau die Ausschreibung gedacht ist.
Dazu kommt, dass du so herausfinden kannst, ob die Ausschreibung den Beteiligten in der Vergangenheit tatsächlich genützt hat. Vielleicht haben ausgezeichnete Künstler:innen wirklich eine Einzelausstellung bekommen – aber der Ort war auf der Website ganz anders dargestellt. Oder es kam niemand, um die Ausstellung zu sehen. Oder es gab überhaupt keine Unterstützung durch die Galerie.
Fehlen wichtige Angaben, ist die Ausschreibung womöglich nicht glaubwürdig. Zumindest aber erfährst du so, dass die Organisation nicht zu dir passt.
Es ist eine Dienstleistung, keine Ausschreibung
Eine echte Ausschreibung sollte dir idealerweise etwas bieten, das kein Preisschild trägt: eine Ausstellung, eine Publikation, ein Honorar, echte Sichtbarkeit oder Öffentlichkeit. Nicht jede Ausschreibung kommt ohne Gebühren aus – aber wenn eine angebliche Gelegenheit in Wahrheit nur versucht, dir etwas zu verkaufen, dann ist das etwas völlig anderes.
Ein Beispiel: Ein Unternehmen oder eine Einzelperson veröffentlicht einen „Open Call“ und bietet darin Portfolio-Beratungen an – gegen Gebühr. Das ist im Kern ein Angebot für eine Dienstleistung und keine Auswahl von Künstler:innen nach Qualität, Erfahrung oder Referenzen. Das ist völlig in Ordnung, wenn du genau das suchst. Aber kann man es eine Ausschreibung nennen? Eher nicht.
Oder du stößt auf einen Aufruf zur Einreichung für einen neuen Katalog zeitgenössischer Kunst – für eine Gebühr von 400 Euro pro ganzer Seite. Das bedeutet im Grunde, dass du für Anzeigenfläche bezahlst. Und es ist ein Hinweis darauf, dass die Publikation von Institutionen, Galerien und Sammler:innen nicht als glaubwürdige Quelle angesehen wird.
Es ist also wichtig, sich darüber im Klaren zu sein, wobei du dich eigentlich bewirbst und wofür du gegebenenfalls bezahlst.
Diese Warnsignale lassen sich mitunter schwer festmachen, und sie bedeuten nicht zwangsläufig, dass eine Ausschreibung Betrug ist. Sie sind aber Hinweise darauf, dass sie vielleicht nicht ganz vertrauenswürdig oder transparent ist – oder sogar schlicht irreführend. Deshalb lohnt es sich zu wissen, woran du Warnsignale erkennst, bevor du dich bewirbst.
Die nächsten Schritte: recherchieren, die Veranstalter:innen kontaktieren. Und wenn am Ende immer noch etwas nicht stimmig wirkt, zieh weiter. Nutz Angebote wie ArtConnect, um andere Ausschreibungen zu finden, die besser zu dir passen.
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