Guide
Eine Kunstförderung beantragen
Zuletzt geprüft:
Dieser Leitfaden führt dich durch das Verfahren: von der Suche nach Fördermitteln über die Auswahl der Arbeitsproben bis zum Schreiben des Antrags – mit einigen Hinweisen, die unterwegs wichtig werden.
Eine Schablone für Förderanträge gibt es nicht. Jede Ausschreibung ist anders, mit eigenen Teilnahmevoraussetzungen, eigenen Zielen und Schwerpunkten. Also ist auch jeder Antrag anders. Was dieser Leitfaden leisten kann: dich auf das Verfahren vorbereiten, mit Hinweisen zu den Fragen, die immer wieder auftauchen.
Bestimme dein Projekt
Was ist dein Projekt, und was willst du damit erreichen? Diese Fragen solltest du beantworten, bevor du überhaupt nach Fördermöglichkeiten suchst. Eine klare Vorstellung davon, was du vorhast, hilft dir sowohl bei der Auswahl der passenden Förderung als auch beim Schreiben eines klaren, überzeugenden Antrags.
Wofür suchst du Förderung?
Sei konkret und hab klare Ziele vor Augen. Du beantragst schließlich Geld, also wirst du genau erklären müssen, wofür es gedacht ist und welchen Zweck dein Projekt verfolgt. Brauchst du die Förderung für Recherchereisen? Für Produktionskosten wie Material, Honorare für Mitwirkende oder Raummieten? Schreib zum Einstieg eine knappe, überzeugende Projektbeschreibung und schick sie ein paar Leuten mit der Bitte um Rückmeldung.
Wie sieht die Kalkulation aus?
Während du planst und dir Ziele setzt, solltest du auch deine Projektkalkulation aufstellen. Dafür musst du recherchieren und Angebote einholen, um die Kosten belastbar zu schätzen. Rate nicht einfach, was dein Projekt kosten wird und wie viel Förderung du brauchst. Und denk daran, dass du auch dich selbst bezahlen musst: Dein Künstler:innenhonorar gehört in die Kalkulation. Vergiss außerdem nicht, erwartete Einnahmen auszuweisen – etwa Mittel, die von anderer Seite kommen oder eingeworben werden.
Such nach passenden Fördernden
Jede Förderung hat einen eigenen Schwerpunkt – ein Forschungsfeld, eine Sparte, eine Region – oder verlangt, dass Antragstellende bestimmte Voraussetzungen erfüllen. Recherchier also und lern die verschiedenen Fördermöglichkeiten und die Organisationen dahinter kennen.
Such nach Förderungen, für die du antragsberechtigt bist – aber sieh dir auch an, welche Art von Projekten die Organisation in der Vergangenheit unterstützt hat. Du solltest ein Gefühl dafür bekommen, wofür dort üblicherweise Mittel vergeben werden und ob das zu deiner Arbeit passt. Es wäre schade um deine Zeit, einen Antrag zu schreiben, wenn dein Projekt weit außerhalb des Interessenfelds liegt oder du die Voraussetzungen nicht erfüllst.
Fündig wirst du auf Websites, auf denen regelmäßig neue Ausschreibungen erscheinen – ArtConnect etwa, oder im deutschsprachigen Raum Kreativ Kultur Berlin. Lohnend sind außerdem die Kulturförderprogramme deiner Stadt oder deines Bundeslands; auch Hochschulen vergeben mitunter eigene Mittel.
Teil dir die Zeit ein
Wenn du recherchiert und eine oder mehrere Förderungen ausgewählt hast, mach dir einen Zeitplan. Fang nicht in letzter Minute mit dem Antrag an. Das bedeutet nicht nur Stress, sondern führt selten zu einem guten Antrag und einem guten Ergebnis.
Geh alle Teile des Antrags durch und schätz ab, wie viel Zeit du brauchst. Notier dir die Fristen und räum dir realistisch Zeit ein, um zu schreiben, Arbeitsproben vorzubereiten, alles zu prüfen und einzureichen. Nimm dir vor, immer vor Fristende fertig zu sein. Manche Anträge verlangen Unterlagen von außen – Referenzen oder Zusagen von Veranstaltungsorten. Plan das ein und lass den anderen genug Zeit.
Lies die Antragsvorgaben
Und zwar gründlich. Das lässt sich gar nicht genug betonen. Achte genau auf alle Vorgaben und halt dich daran – von der Zahl der Arbeitsproben bis dazu, wie und wo eingereicht wird. Reich nur die Angaben und Unterlagen ein, die verlangt werden, und zwar im geforderten Format und Dateityp. Du willst nicht, dass dein Antrag an etwas so Einfachem und Vermeidbarem scheitert wie einer nicht eingehaltenen Vorgabe.
Wenn du Zweifel oder Fragen hast, wende dich an die Organisation. Nachzufragen ist völlig in Ordnung, wenn etwas unklar ist oder eine nötige Angabe zu fehlen scheint. Das heißt aber nicht, mit einer Liste von Fragen anzurufen, bevor du selbst alles gelesen hast. Die Mitarbeitenden haben viel zu tun – und du willst im Umgang professionell und rücksichtsvoll sein, auch mit Blick auf die Beziehungen, die du aufbaust.
Sieh also erst in die FAQ und lies alle Richtlinien. Wenn danach noch Wesentliches fehlt, frag ruhig nach. Raten und einen fehlerhaften Antrag riskieren willst du nicht. Deine Zeit und die der Prüfenden ist wertvoll.
Noch ein Hinweis dazu: Es ist nicht ratsam, die Organisation um Rat oder eine Einschätzung deiner Arbeit zu bitten oder zu fragen, ob du dich bewerben solltest. Das musst du selbst entscheiden.
Bereite gute Arbeitsproben vor
Deine Arbeitsproben sind womöglich das Erste, was die Jury ansieht. Du willst also ihre Aufmerksamkeit gewinnen und Interesse an dir und deiner Arbeit wecken.
Wähl Arbeiten, die für deine Praxis stehen. Überleg, wie du deinen Erfahrungsstand, dein handwerkliches Können, deine konzeptionelle Stärke und deine Bandbreite am besten zeigst. Wahrscheinlich wirst du frühere Arbeiten beilegen müssen, besonders wenn das beantragte Projekt neu ist. Diese Arbeiten sollten erkennen lassen, in welche Richtung du dich bewegst.
Und achte darauf, dass deine Abbildungen professionell wirken – gut ausgeleuchtet, scharf und deiner Arbeit entsprechend. Das prägt den Gesamteindruck erheblich. Wie du das auch mit einfacher Ausrüstung hinbekommst, steht in unserem Leitfaden Kunstwerke fotografieren.
Schreib deinen Antrag
Förderanträge unterscheiden sich darin, was verlangt wird und in welcher Form. Mitunter beantwortest du vorgegebene Fragen in einem Formular, mitunter reichst du ein allgemeines künstlerisches Statement oder eine Projektbeschreibung ein. In jedem Fall gilt: Halt dich an die Wort- oder Zeichengrenzen. Viele Jurymitglieder bevorzugen kurze Texte, weil sie sehr viele Anträge zu lesen haben. Nimm alles Wichtige auf, damit sich die Prüfenden dein Projekt vorstellen können – und bleib dabei knapp und klar. Das heißt: konkrete, direkte Sprache und keine verschachtelten Bandwurmsätze.
Wenn du über dein Projekt schreibst
Viele Förderorganisationen wollen verstehen, welche Wirkung die beantragte Arbeit haben wird – auf deine berufliche Laufbahn, auf dein Feld, auf die Gemeinschaft, in der du arbeitest. Hier zahlt sich die Recherche aus, die du bei der Suche nach Fördernden gemacht hast: Du solltest erklären können, inwiefern dein Projekt für diese Organisation einschlägig ist. Wie fügt es sich in ihre Ziele und ihr Selbstverständnis?
Überleg beim Schreiben, was die zentralen Themen deines Projekts sind. Welche Fragen wirft es auf oder behandelt es? Wie wird die Arbeit ausgeführt? Welche Ergebnisse erwartest du? Werde konkret. Und ordne deine Gedanken, bevor du anfängst.
Wenn du deinen Lebenslauf vorbereitest
Auch hier gilt: weniger ist mehr. Halt ihn möglichst auf einer Seite. Konzentrier dich auf deine jüngsten Erfahrungen und Erfolge, in der Regel aus den letzten fünf Jahren. Wenn es weiter zurückliegende Höhepunkte gibt, gehören die natürlich auch hinein. Denk daran, dass die Jury womöglich Hunderte Anträge prüft: Du willst schnell und wirksam vermitteln, wo du stehst. Mehr dazu in unserem Leitfaden Einen Künstler-Lebenslauf schreiben.
Hol dir Rückmeldung
Wenn du deinen Antrag geschrieben, die Unterlagen und Arbeitsproben zusammengestellt und deinen Lebenslauf aktualisiert hast, bitte jemanden – besser mehrere – alles durchzusehen.
Es gibt noch andere Wege, dich hier zu verbessern. Ein Workshop zum Schreiben von Förderanträgen etwa verbindet fachlichen Rat mit praktischer Übung. Die Berlin Art Grant Clinic bietet eine solche Reihe an, in der Teilnehmende das Handwerk lernen und auch Rückmeldung zu einem laufenden oder bereits eingereichten Antrag bekommen.
Ein Kurs oder Workshop ist aber nicht für alle machbar, schon aus Zeit- und Kostengründen. Solche Angebote kosten oft Geld, auch wenn sich manchmal kostenlose finden lassen. Vielleicht kennst du auch jemanden, der das Verfahren schon durchlaufen hat und dir Hinweise geben kann. Das ist außerordentlich hilfreich – besonders, wenn die Person dieselbe Förderung beantragt und erhalten hat, um die es dir geht. Frag nach ihren Erfahrungen; da steckt oft unbezahlbares Wissen drin.
Förderungen und Stipendien finden
Auf ArtConnect findest du Förderausschreibungen von Stiftungen und Institutionen weltweit – mit Fristen und Teilnahmebedingungen auf einen Blick.
Förderungen ansehenWeitere hilfreiche Ressourcen:

Sechs Wege zu Einkommen: Online-Verkauf, Aufträge, Förderungen, Residenzen, Crowdfunding, Sponsoring.

Ausstellungen, Ausbildung und Stationen so ordnen, dass sie früh in der Laufbahn überzeugen.

Eine Dokumentation, die standhält, wenn eine Jury vier Sekunden auf sie schaut.

Vom Finden des passenden Programms bis zur abgeschickten Bewerbung – und was danach kommt.