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Betrug bei Artist Residencies erkennen
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Wenn du dich durch Residenzprogramme scrollst, lohnt sich ein prüfender Blick. Betrug im Kunstbetrieb nimmt unterschiedliche Formen an: Manche Angebote wenden sich direkt per E-Mail an Künstler:innen, andere erscheinen als Open Call auf Ausschreibungsportalen.
Bevor du dich bewirbst, gibt es ein paar Dinge zu bedenken. Hier einige Wege, unseriöse Residenzangebote zu erkennen und zu umgehen.
Sieh dir die Gebühren an
Es gibt angebliche Residenzangebote, die eine erhebliche Bewerbungsgebühr verlangen. Manche Organisationen, die eine Gebühr erheben, sind dabei völlig seriös – etwa gemeinnützige Einrichtungen mit wenig oder gar keiner Förderung oder künstlergeführte Initiativen. Es gibt aber auch Residenzen, die auf Gewinn ausgelegt sind.
Manche gewinnorientierten Residenzen, die Künstler:innen im Grunde als Kundschaft behandeln, vergeben am Ende überhaupt keine Plätze. Oder sie vergeben sie – aber Ort und Ausstattung stellen sich als völlig anders heraus als dargestellt, es gibt keinerlei Unterstützung, oder es ist schlicht kein Publikum da, das deiner Arbeit Sichtbarkeit verschaffen könnte.
Wenn du unsicher bist, kannst du dir auf zwei Wegen ein genaueres Bild verschaffen.
Wofür wird die Gebühr erhoben?
Versuch herauszufinden, wofür die Gebühr tatsächlich verwendet wird. Manche Organisationen legen das offen, um transparent zu machen, warum es die Gebühr gibt und wohin das Geld fließt.
Was sagen andere Künstler:innen und Fachleute?
Recherchier, wer bisher teilgenommen hat, und finde nach Möglichkeit heraus, welche Erfahrungen diese Personen gemacht haben. Du kannst auch in deinem eigenen Umfeld nach dem Ruf des Programms fragen. Und wenn du Zweifel hast und niemanden kennst, der etwas dazu weiß: Oft führt schon eine einfache Suche zu einem Blogbeitrag oder Forumsthread, in dem andere ähnliche Bedenken geteilt haben.
Uns ist bewusst, dass Bewerbungsgebühren – vor allem hohe – für Künstler:innen eine Belastung sind, ganz unabhängig davon, ob ein Programm seriös ist. Wenn dich ein seriöses Angebot interessiert, du dir die Gebühr aber nicht leisten kannst: Wende dich an die Organisation und frag, ob sie erlassen werden kann. Manche bieten das je nach Bedarf an. Fragen kostet nichts.
Versuch also, im Vorfeld so viel wie möglich über die Art der Gebühren und über die Organisation selbst herauszufinden. Was uns zum nächsten Punkt bringt.
Recherchier, wer dahintersteht
Als Faustregel gilt: Informier dich über ein Residenzprogramm, auf das du dich bewerben willst. Wie solltest du sonst beurteilen, ob es zu dir passt?
Es gibt aber noch einen zweiten Grund. Wer sich Hintergrund, Geschichte und Netzwerk einer Organisation ansieht, kann weniger vertrauenswürdige Angebote ausschließen und Betrug von vornherein vermeiden.
Um was für eine Organisation handelt es sich?
Sieh nach, was du über die Organisation selbst herausfinden kannst: gemeinnütziger Verein, privates Unternehmen, künstlergeführte Initiative, staatliche Stelle? Wenn das aus der Website nicht hervorgeht, prüf, ob das Unternehmen oder die Organisation offiziell eingetragen ist. In Deutschland gibt es dafür das Unternehmensregister. Daraus erfährst du nicht nur die Rechtsform, sondern bekommst auch bestätigt, dass es die Organisation tatsächlich gibt.
Welche Geschichte hat das Programm?
Sieh dir die Geschichte der Residenz an: Wie ist sie entstanden, von wem, und wie lange gibt es sie schon? Was hat sie sich vorgenommen, und wie setzt sie das um?
Wer gehört zu ihrem Netzwerk?
Wenn eine Residenz verspricht, Künstler:innen umfangreiche professionelle Mittel und echte Sichtbarkeit zu verschaffen, sollte sie auch ein entsprechend weites Netz an seriösen Verbindungen haben, das diese Versprechen stützt. Dazu gehören die Künstler:innen, die dort waren – gibt es bekannte Namen unter ihnen? – ebenso wie Partner und Förderer. Und: Haben das Programm, seine Teilnehmenden und seine Ausstellungen nennenswerte Presse bekommen?
Stell Fragen
Du hast recherchiert, dich umgehört und so viele Informationen wie möglich zusammengetragen, und es bleiben trotzdem Fragen? Dann wende dich direkt an das Residenzprogramm.
Ein seriöses Programm reagiert und beantwortet deine Fragen gern. Wenn aber kaum eine Antwort kommt, die Antworten unklar oder ausweichend bleiben oder die Kommunikation sich merkwürdig anfühlt, sind das Warnsignale.
Betrug bei Residenzen ist mitunter schwer zu erkennen oder überhaupt einzuordnen. Im Kern geht es um Transparenz und Vertrauenswürdigkeit.
Eine Residenz ist eine größere Verpflichtung, deshalb solltest du wissen, worauf du dich einlässt. Recherchier immer, bevor du dich für ein Programm entscheidest. Es sollten nicht nur die über dich recherchieren.
Um echte Residenzangebote zu finden, kannst du nachsehen, an welchen Programmen Künstler:innen teilgenommen haben, die du schätzt, und mit Leuten aus deinem Umfeld über ihre Erfahrungen sprechen. Es gibt außerdem ein von der Künstlerin Everest Pipkin angestoßenes Gemeinschaftsprojekt mit einer wachsenden Liste von Residenzen und Ausschreibungen, zusammengetragen von Künstler:innen für Künstler:innen. Mehr dazu, wie du Residenzprogramme findest und wie es danach weitergeht, steht in unserem Leitfaden Bewerbung für eine Artist Residency.
Du suchst eine Künstlerresidenz?
Auf ArtConnect findest du Residenzprogramme von Institutionen weltweit – mit Fristen, Gebühren und Teilnahmebedingungen auf einen Blick.
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