Das FOTODOKS Festival für zeitgenössische Dokumentarfotografie in München (Deutschland) kehrt im Oktober 2027 zurück. Die dreizehnte Ausgabe basiert auf einer Ausschreibung für Projekte, die sich mit Fürsorge (Care) und ihren Verbindungen zu Politik, Emotionen und intimen Beziehungen auseinandersetzen – in einer Zeit, in der „Gemeinschaft“ und „Zugehörigkeit“ Schlagworte im Zentrum von Diskursen sind, denen oft eine klare Bedeutung fehlt, wenn sie durch Markenkampagnen und glänzende, moralische Marketing-Aneignungen ihrer Substanz beraubt werden.
Fürsorge kann emotional, körperlich oder psychisch sein, und sie kann auch soziale und relationale Dimensionen haben. Sie ist kulturell aufgeladen, und ihr Verständnis wandelt sich je nach Beziehungsgefüge. Sie ist zudem mit anderen Sphären verflochten: Menschen, Umwelt und Regierungen sind Teil eines einzigen Körpers, der auf diesem fragilen Konzept beruht. Sich auf Fürsorge zu konzentrieren ist nicht zwangsläufig sentimental, aber im Kern affektiv. Sie anzunehmen kann uns wieder mit anderen verbinden und unsere Beziehung zur Welt und zum Wissen verändern – manchmal als Last, manchmal als Freude in allen Sphären, über die sie sich verteilt: Arbeit, Zuneigung, Ethik und Politik.
Wir suchen bestehende linsenbasierte, dokumentarisch geprägte Geschichten über Fürsorge, die eine fotorealistische und ehrliche Absicht erkennen lassen, sich mit Fürsorge und ihren Bedeutungen auseinanderzusetzen, wie sie in der Gegenwart diskutiert, entschlüsselt und neu inszeniert werden.
Wie verflicht sich Dokumentarfotografie mit heutigen Vorstellungen von Fürsorge, wenn Sozialstaatsmodelle abgebaut wurden und den Bürger:innen Fürsorge entzogen wird, während „Self-Care“ ein Slogan ist, der aus kapitalistischen Interessen für überarbeitete Körper propagiert wird? Wie werden sie von großen Medien und Verbreitungsplattformen abgelehnt, und wie finden sie ihre Form in resonanten Kontexten? Ist Fürsorge eine Praxis der Freiheit oder eine, die durch Ethik und Moral eingeschränkt ist?